Das magische Bergdorf El Chaltén liegt im Süden von Argentinien und bildet den Eingang in das berühmte Wandergebiet Reserva Nacional Los Glaciares mit seinen Hauptattraktionen Cerro Torre (3128 m) und Fitz Roy (3405 m). Der Anblick dieser beiden Paradegipfel löst sofort Sehnsucht nach Fernweh aus. Und sobald man tatsächlich direkt vor diesen Giganten stehen darf, brennt sich dieser Moment Dir tief in die Seele hinein – man wird diese eindrucksvollen Silhouetten nie wieder vergessen! Darüber hinaus zählen der Cerro Torre und der Fitz Roy auch technisch zu den schwierigsten Gipfeln der Welt! Somit werden Genusswanderer als auch Extrembergsteiger gleichermaßen von El Chaltén angezogen. Interessanterweise befindet sich direkt hinter den Gipfeln das südliche patagonische Eisfeld, das Campo de Hielo Patagónico Sur, woran auch rund 200 km weiter südlich der Nationalpark Torres Del Paine angebunden ist. Damit ist die Bergwelt um El Chaltén landschaftlich definitiv auf Augenhöhe zu seinem Pendant in Chile.
Übersicht:
- Anreise El Chaltén und Organisatorisches
- 1. Etappe: Sonnenuntergang am Cerro Torre
- 2. Etappe: Abseits der normalen Pfade zum Loma de las Pizarras (1691 m)
- 3. Etappe: Sonnenaufgang am Fitz Roy
Anreise El Chaltén und Organisatorisches
Der große Charme an El Chaltén liegt in seiner völligen Abgeschiedenheit inmitten des südlichen Patagoniens. Aus diesem Grund sollte man entsprechend Zeit für die Anreise einplanen. Sie erfolgt am einfachsten mit dem Bus über El Calafate (ca. 3 h, 200 km). Von hier hat man Flugverbindungen in die Hauptstadt Buenos Aires sowie Busverbindungen Richtung Süden zum Torres Del Paine Nationalpark über Puerto Natales (ca. 5 h, 270 km) oder direkt nach Ushuaia (ca. 24 h, 1100 km). In Richtung Norden ist vor allem Bariloche (ca. 26 h, 1600 km) eine interessante Destination. Hoffentlich hat der argentinische Staat inzwischen seine Asphaltierungsarbeiten abgeschlossen: Bei meiner damaligen Reise bestanden nämlich die unzähligen Kilometer zwischen dem Torres Del Paine Nationalpark und Bariloche vorwiegend aus einer Schotterpiste …

Das Bergsteigerdorf selbst bietet alles, was Outdoor-Aspiranten benötigen: Neben bezahlbaren Unterkünften, Restaurants, Supermärkten und ATMs, befindet sich in El Chaltén auch ein direkter fußläufiger Zugang zu den Hauptwanderrouten, welche dadurch als einfache Tagestouren oder einer Mehrtagestour absolviert werden können. Teure Eintritte und notwendige Reservierungen gibt es hier – im Gegensatz zum Torres Del Paine Nationalpark – nicht. Damit hat man in El Chaltén die völlige Freiheit in der Gestaltung seines Outdoor-Abenteuers!
1. Etappe: Sonnenuntergang am Cerro Torre
In der ersten Etappe führte mich der westlich von El Chaltén gelegene Wanderweg in rund 9 km Länge recht entspannt zur Laguna Torre. Der Tag war kalt, nebelig und windig – typisch Patagonien eben. Hier tröstete nur das Farbenmeer des Waldes sowie die gigantische Kulisse des Glaciars Torre im Hintergrund! Die darüber thronenden Gipfel, u. a. auch der Cerro Torre, blieben jedoch noch im Nebel verborgen. Nach etwas Genießen an der Laguna Torre wurde das Zelt für die Nacht im Camp D’Agostini aufgebaut. Glücklicherweise offenbarte sich bald darauf ein gigantisches Abendrot und auch die Nebeldecke hatte sich endlich geöffnet – ich bekomme zum ersten Mal den Cerro Torre zu Gesicht, was für ein unfassbarer Turm! Auf dem Campingplatz selbst habe ich auch direkt meine Crew für die nächsten Tage kennengelernt: Claudia aus Sardinien. Zum Tagesabschluss gab es sogar noch originale Pasta von ihr – wirklich wohltuend nach so einem Wandertag! Die kommende Nacht bot neben schönstem Sternenhimmel auch die gefühlt kälteste Temperatur bis dato in meinem Leben: Trotz meines Schlafsacks mit -10 Grad Komforttemperatur lag ich ab etwa drei Uhr extrem frierend wach und hatte mit der Kälte zu kämpfen. Sogar aus meinem Zelt kam ich nicht mehr heraus, eine Eisschicht hatte sich über den Reißverschluss gelegt, völlig verrückt!






2. Etappe: Abseits der normalen Pfade zum Loma de las Pizarras (1691 m)
Völlig durchgefroren und erschöpft von der letzten Nacht ging es für mich in der zweiten Etappe hinauf zum Gipfel Loma de las Pizarras (1691 m). Claudia hingegen nahm den direkten Weg zum nächsten Campingplatz. Der Tag versprach strahlend blauen Himmel. Aus Richtung des Camp D’Agostini führte die Route links weg auf den Grat zum Gipfel. Die Abzweigung ist nicht beschildert, der Aufstieg ist weglos und wird daher selten begangen. Zunächst verlief der Pfad durch den Wald und anschließend rund 1000 Höhenmeter hinauf durch ein Geröllfeld. Am Loma de las Pizarras angekommen, stand man dann relativ nah zwischen Cerro Torre und Fitz Roy: Eine gigantische Aussicht über die Weiten von Patagonien sowie zu den beiden Gipfelgiganten sind hier (bei entsprechenden Wetterverhältnissen) garantiert! Dabei wird dieses Erlebnis von den Geräuschen vom kontinuierlichen patagonischen Wind, den Vögeln und anderen Tieren umrandet. Das Gefühl von ultimativer Freiheit durchströmte mich hier an diesem fantastischen Fleckchen Erde! Nach einer ausgedehnten Rast ging es den Aufstiegsweg wieder hinunter. Sobald man am offiziellen Hauptweg wieder angekommen ist, biegt man links in Richtung Laguna Hija ab. Von dort ging es weitere 6 km zum Camp Poincenot. Hier traf ich Claudia wieder. Ein langer Wandertag von 20 km Länge und 1100 Höhenmetern mit atemberaubenden Eindrücken ging zu Ende. Nun hieß es früh schlafen gehen für die Sonnenaufgangstour zum Mirador am Fitz Roy.









3. Etappe: Sonnenaufgang am Fitz Roy
Die dritte Etappe startete am Camp Poincenot um fünf Uhr morgens, sodass wir am Lago de los Tres den Sonnenaufgang genießen können. Mit Stirnlampe ausgestattet ging es rund 2.5 km und 500 Höhenmeter über einfachen Wanderweg in Richtung Fitz Roy. Unterwegs setzte irgendwann die Dämmerung ein, ein intensives Orange färbte den Himmel. In dieses Panorama gesellten sich ebenfalls die schimmernden Seen Laguna Madre, Laguna Hija sowie Laguna Capri. Nach einiger Zeit noch deutlich vor dem Sonnenaufgang erreichten wir dann schließlich den Lago de los Tres und standen vor diesem riesigen Felsmassiv namens Fitz Roy, was für ein Koloss! Nach etwas Wartezeit in der ultimativen Kälte kamen dann endlich die befreienden Sonnenstrahlen über den Horizont. Die obligatorische Fotosession nahm ihren Lauf!




Irgendwann musste man sich trotz schwerem Herzens doch für den Abstieg entschließen. Zunächst ging es zum Camp Poincenot, wo das Zelt eingepackt wurde. Anschließend führte der Weg entlang der Laguna Capri weiter zurück in die Zivilisation nach El Chaltén. In der Summe wurden 42 km bei rund 2000 Höhenmetern in dem Wanderparadies Reserva Nacional Los Glaciares am Cerro Torre und Fitz Roy in den letzten drei Tagen bei extrem kalten Nächten und eiskalten Winden absolviert. Es war ein wundervolles Erlebnis, typisch “Abenteuer in Südamerika” eben!

Saludos,
Christian
Das Reserva Nacional Los Glaciares im Süden von Argentinien zählt zu den spektakulärsten Wandergebieten unserer Welt. Was waren Eure Eindrücke? Oder habt ihr sogar eine Klettertour auf den Cerro Torre bzw. Fitz Roy unternommen? Schreibt es mir in die Kommentare!