Feuerland (spanisch Tierra del Fuego) und damit das Ende der Welt ist ein wirklich irres Reiseziel! Von Buenos Aires benötigt man vier Stunden mit dem Flugzeug, welches direkt an den südlichsten Zipfel von Feuerland nach Ushuaia fliegt. Damit ist man von Deutschland unfassbare 18 Flugstunden entfernt, also ziemlich weit weg! Ein Blick aus dem Flugzeugfenster beim Landeanflug eröffnet eine bizarre Welt: Soweit das Auge reicht existieren nur Sümpfe, Wälder und vergletscherte Berge. Und dann plötzlich mitten im Nirgendwo befindet sich auf einer kleinen Halbinsel im Beagle-Kanal eine kurze Landebahn. Nach der Ankunft kann man vom “Flughafen” den kleinen Ort Ushuaia mit einem kleinen Spaziergang erreichen. Dabei hat man eine gute Gelegenheit zum Verarbeiten, wo man sich gerade befindet. Der Wind peitscht einem ins Gesicht, das Wetter ändert sich stündlich, sogar alle vier Jahreszeiten sind an einem Tag möglich. Ja, so stellt man sich das Ende der Welt (“Fin del Mundo”) vor. Tipps und Insides von diesem lohnenden Reiseziel möchte ich Euch daher in diesem Artikel vorstellen.
Übersicht:
#1: Ushuaia – (fast) am Fin del Mundo
#2: Cerro Martial – der Hausberg von Ushuaia
#3: Laguna Esmeralda – der smaragdgrüne See
#4: Cerro Guanaco – eine Premiumwanderung bei Ushuaia
#5: Glaciar Vinciguerra bei patagonischen Wetterverhältnissen
#6: Roadtrip zum Schiffswrack Desdémona
#1: Ushuaia – (fast) am Fin del Mundo
Die Argentinier bezeichnen Ushuaia mit ihren 64.000 Einwohnern als die südlichste Stadt der Welt und vergessen dabei elegant, dass der chilenische Ort Puerto Williams auf der anderen Seite des Beagle-Kanal rund 5 km südlicher liegt. Am Ende ist das für die Argentinier egal, den offiziell ist Puerto Williams mit seinen 2.400 Einwohnern nur ein Dorf und somit keine Stadt. Daher geht der Titel “Fin del Mundo” offiziell an Ushuaia. Hier ist für wohlhabende Touristen der Startpunkt für eine Kreuzfahrt in die Antarktis. Es ist wirklich nett, die ganzen Herrschaften in Polaranzügen im Hafenbereich bei angenehmer Plustemperatur schwitzen zu sehen. 😉 Für diejenigen unter uns, welche rund 15.000 Euro für ein paar Tage auf dem Schiff nicht zur Verfügung haben, ist Ushuaia jedoch auch eine gute Basis für Tagesausflüge in der umliegenden Natur. Jedoch sollte man bei den Ausflügen unbedingt auf gute Klamotten achten: Das Wetter kann sich nämlich von strahlendem Sonnenschein in wenigen Minuten in einen eiskalten Schneesturm verwandeln. Außerdem sollte man definitiv keinen Besuch im südlichsten Irish Pub der Welt versäumen – dort ist ein guter Tagesausklang bei einem köstlichen Beagle-Bier garantiert! Er befindet sich in der Nueve de Julio 168. Als gute und preiswerte Unterkünfte bieten sich das Antarctica Hostel sowie das La Posta Apart Hotel an.

#2: Cerro Martial – der Hausberg von Ushuaia
Der Hausberg von Ushuaia ist der Cerro Martial (1319 m). Er ist ein sehr lohnender und leichter Gipfel, welchen man zu Fuß vom Ortskern erreichen kann. Dabei muss man zunächst die Stadt nordwestlich verlassen und das Refugio Jerman erreichen. Anschließend verläuft der Pfad entlang des Bachs bis unterhalb des Gletschers Martial. Der Gletscher ist ziemlich spaltenreich, folglich ist das Betreten dringend abzuraten. Dies wurde für mich erst so richtig sichtbar, nachdem die Wolkendecke etwas aufgelockert hat. Nach Ende des offiziellen Pfades umgeht man den Gletscher rechts über ein Geröllfeld und erreicht schnell den Gipfelgrat. Jedoch ist eine Wegspur nur mit etwas Mühe zu erkennen. Nach ungefähr 4 Stunden hat man die 1300 Höhenmeter überwunden und erreicht den Gipfel. Mit etwas Glück scheint die Sonne und man kann eine großartige Aussicht über Ushuaia, dem Beagle-Kanal sowie der kompletten vergletscherten Bergwelt von Feuerland genießen.





#3: Laguna Esmeralda – der smaragdgrüne See
Einer der schönsten (und touristisch am meisten besuchten) Bergseen rund um Ushuaia ist die Laguna Esmeralda. Schließlich ist sie bekannt für ihr smaragdgrünes Wasser. Wenn man sich am Ende der Welt befindet, muss man tatsächlich diesen See gesehen haben! Die Laguna Esmeralda ist etwa 20 Kilometer vom Ortskern entfernt und der Beginn des Wanderpfads kann am einfachsten per Shuttlebus oder Taxi erreicht werden. Der gut befestigte Pfad zum See ist ein absoluter Hochgenuss: Zunächst führt er durch Wald und dann durch ein Sumpfgebiet. Hier bitte unbedingt aufpassen, dass Euer Schuhwerk fest ist und dadurch nicht – wie bei meinen Reisekollegen – vom Sumpf einbehalten wird. Danach führt er an Gewässern entlang, welche durch Biber-Staudämme aufgestaut wurden. Die Natur ist hier noch vollkommen wild und natürlich. Sobald man die Laguna Esmeralda erreicht hat, kommt man sowieso nicht mehr aus dem Staunen heraus!




#4: Cerro Guanaco – eine Premiumwanderung bei Ushuaia
Eine sehr beliebte Wanderung im Umland von Ushuaia ist die Besteigung des Cerro Guanaco. Der Berg befindet sich im Nationalpark Tierra del Fuego, rund 20 Kilometer westlich der Stadt. Der frühe Vogel fängt den Wurm: Eine frühe Anreise (z. B. per Taxi) ist sehr lohnenswert, schließlich kommt man dann in den Hochgenuss eines einmaligen Sonnenaufgangs am Ende der Welt über dem Lago Roca! Außerdem entkommt man so am besten den Touristenmassen, welche über Touranbieter täglich im Nationalpark abgefertigt werden. Der Wanderweg verläuft am Ostufer des Sees und nach ungefähr einem Kilometer gibt es einen Abstecher rechts in den Wald. Dort befindet man sich bald im sumpfigen Gelände wieder – typisch für Feuerland! Danach ist man in der Tundra unterwegs, Weitblick über den Lago Roca inklusive. Abschließend muss man für den finalen Gipfelanstieg noch ein steiles Geröllfeld überwinden. Danach wird man am Cerro Guanaco mit einer traumhaften Aussicht belohnt: Blickt man nach Osten, sieht man über Ushuaia hinaus den Beagle-Kanal und mit etwas Glück sogar den Atlantik. Hingegen sieht man in Richtung Westen die vergletscherte Bergwelt von Feuerland. Ein kleines Highlight für mich an diesem Tag war außerdem die Begegnung mit einem Andenschakal (auch bekannt als Magellanfuchs) im Gipfelbereich.









#5: Glaciar Vinciguerra bei patagonischen Wetterverhältnissen
Die Wanderung zum Glaciar Vinciguerra ist ebenfalls recht einfach und landschaftlich ziemlich hübsch. Schließlich darf man am Ziel dieser Tour den Gletschersee Laguna de los Témpanos und den mündenden Gletscher Vinciguerra bewundern. Alles schön und gut, zumindest bei klarer Sicht und schönem Wetter. Ich selber durfte nämlich hier das harte Klima von Feuerland erleben! Zunächst ging es mit dem Taxi zum Ausgangsort hinter die Ortschaft Las Reinas, etwa 8 Kilometer von Ushuaia entfernt. Zu Beginn der Tour war das Wetter zwar etwas wolkig, aber doch recht angenehm. Danach führt der Weg durch Wälder und Gewässer. Links ist der Cerro Martial, rechts der Cerro Esfinge zu sehen. Bei verlassen der Waldgrenze geht es steppenartig weiter und hinauf zum Laguna de los Témpanos. Hier schlug das Wetter extrem schnell um und man befand sich in einem Sturm inklusive Schneeregen wieder. Es war eisig kalt! Die Motivation blieb selbstverständlich ungebrochen und wir gingen weiter zum Glaciar Vinciguerra. Die Berggipfel waren leider im Unwetter nicht mehr zu sehen, dafür bekam man ein Gefühl für den Eispanzer Vinciguerra. Es war wunderschön, jedoch aufgrund des Wetters kaum auszuhalten. Nass durch alle Schichten begaben wir uns schnell auf den Rückweg.




#6: Roadtrip zum Schiffswrack Desdémona
Eine Alternative zu den wunderschönen Wanderabenteuern ist ein kleiner Roadtrip durch Feuerland mit abschließendem Besuch des Schiffwracks Desdémona. Hierzu mietet man sich am besten einen fahrbaren Untersatz in Ushuaia und verlässt die Stadt auf der Ruta Nacional 3 in Richtung Tolhuin. Die berühmte Fernstraße ist Teil der Panamericana und perfekt asphaltiert. Jedoch biegt man nach ungefähr 136 km rechts ab auf eine Schotterpiste, welche in gefühlt endlosen 47 km zum Capo San Pablo führt. Die Atmosphäre in dieser abgelegenen Gegend unserer Welt ist wirklich erstklassig: Es ist rau, überall sind die für Feuerland typisch kleinen Büsche und der Atlantik befindet sich die ganze Zeit am Horizont. Nach etwa einer Stunde erreicht man dann die Küste und damit auch das Schiffswrack Desdémona. Was für ein genialer Ort zum durchatmen und das hier-und-jetzt genießen! Genial war übrigens auch der Blick des Mietwagenanbieters am Ende unseres Ausflugs: Als wir das Fahrzeug am späten Nachmittag zurückgaben konnte er wirklich nicht nachvollziehen, was wir damit angestellt haben…




Saludos,
Christian
Die Welt in Ushuaia am Fin del Mundo ist absolut bizarr und ziemlich extrem. Wer von Euch war den auch schon einmal dort? Und was waren Eure Eindrücke von diesem sehr abgelegenen Ort? Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen in der Kommentarspalte!