Die Tour auf den Iliniza Norte zählte zu einer der schönsten Bergerlebnisse, welche ich bisher erleben durfte. Außerdem sollte es sich bei der Tour auf den Iliniza um den ersten 5000er in meinem Leben handeln. Schließlich kann man sich nach ausreichend Akklimatisierung auch Mal über die Schwelle von 5000 m hinaus wagen! Konditionell ist die Tour auf den Iliniza Norte nicht zu unterschätzen: Der Startpunkt liegt bei etwa 3900 m. Für den Weg zum Gipfel werden in weniger als 6 km reiner Vulkanlandschaft rund 1200 hm überschritten, was für die Steilheit der Tour spricht. Die exponierte und teilweise weglose Kletterei im Gipfelanstieg bewegt sich im II. Grat. Aufgrund der Höhe und der damit verbundenen Kälte, der Exponiertheit des Geländes und den schnell wechselnden Witterungsverhältnissen ist unbedingt ein erfahrener Bergführer anzuraten. Ich habe hierfür sehr gute Erfahrungen mit Gulliver gemacht.
Akklimatisierung und Schwindelfreiheit benötigt
Das Wichtigste bei einer Klettertour auf den Iliniza Norte ist eine gute Akklimatisierung. Hierfür hatte ich mir etwa zwei Wochen oberhalb von 4000 Metern für Akklimatisierungstouren z. B. auf den Rucu Pichincha, Fuya Fuya oder der Lagune Quilotoa, Zeit genommen. Danach sollte der Körper ausreichend an die Höhe gewöhnt sein und man kann sich an diesen Stratovulkan mit Doppelgipfel heranwagen. Der Iliniza liegt etwa 55 km südwestlich von Quito und befindet sich im Reserva Ecológica Los Ilinizas in unmittelbarer Nähe von Latacunga und dem berühmten Vulkankrater Laguna Quilotoa. Er besteht aus dem Nordgipfel Iliniza Norte (5126 m) und dem Südgipfel Iliniza Sur (5245 m). Der Südgipfel ist von Gletschern bedeckt, hingegen ist der nördliche Gipfel ein reiner Felsgipfel.

Vom Parkplatz zu den Wolken
Der Ausgangsort für eine Besteigung des Iliniza Norte ist der Parkplatz La Virgen im Park Reserva Ecológica Los Ilinizas, wofür man eine kleine Eintrittsgebühr entrichten muss. Man erreicht ihn entweder über eine organisierte Tour gemeinsam mit seinen Bergführern, oder man plant es auf eigene Faust. Für Letzteres fährt man mit dem Bus von Quito nach Machachi und steigt dort um nach El Chaupi. Von dort kann man anschließend zu Fuß oder Taxi ebenfalls den Ausgangsort erreichen. Wir erreichten mit unseren Bergführern La Virgen um 8:30 Uhr und konnten dann auch endlich unsere Tour starten. Vom Parkplatz bekommt man außerdem den ersten Eindruck auf die Doppelgipfel Iliniza Norte und Iliniza Sur, auch wenn die Gipfel noch ziemlich in den Wolken verborgen liegen. Der Aufstieg führt auf vom Regen ausgewaschenen Wege durch die typische Flora der Anden. Und irgendwann hatte der morgendliche Nebel endlich auch den Iliniza Sur freigegeben: Eine wahre Farbenpracht, welche sich hier einem eröffnet. Der Höhe auf über 4000 Meter trotzend, hatten wir auch bald die Wolkendecke erreicht und konnten über das Hochland von Ecuador einfach nur noch staunen!



Zur Hütte Nuevos Horizontes
Nach einiger Zeit hatte ich beim Aufstieg zur Hütte mich umgedreht und bemerkte den Cotopaxi direkt im Rücken. Was für ein irrer Anblick auf diesen Berg mit seinem Panzer aus Eis! Hier auf 4000 m wird einem wahrlich bewusst, dass es noch deutlich höher und damit auch lebensfeindlicher geht. Schaudern musste ich über die Tatsache, dass ich selbst in zwei Tagen den Cotopaxi in Angriff nehmen würde. Verrückt! Kurze Zeit später erreichten wir dann schon die Nuevos Horizontes auf 4700 m. Sie ist genau mein Geschmack: schlicht, alpin und unheimlich gemütlich. Die Hütte bildet den Startpunkt für alpine Unternehmungen auf den Iliniza Sur und den Ilinizarte Norte. Manche Bergsteiger bleiben eine Nacht hier oben zur Akklimatisierung, wir hatten jedoch noch am gleichen Tag den Iliniza Norte anvisiert.


Kletterei im II. Grad über 5000 Meter
Nach kurzer Rast auf der Hütte ging es nun endlich weiter. Inzwischen hatte uns die extreme Kälte eingeholt, eine Totalvermummung war also angesagt. Außerdem hatten sich die Gesteinsfarben sich in ein wunderschönes schwarz-gelb-orange verwandelt, ein Traum! Wir waren nun ein Stück weit oberhalb der Wolkendecke. Langsam merkte man eben, dass wir hier auf einem Vulkan auf über 5000 m sind, irre! In entspannter Kraxelei ging es nun weiter hinauf auf den Gipfelgrat. Und nun wurden wir auch noch von einer Wolke verschluckt …



Doch im weiteren Verlauf öffnete sie sich und uns lag ein Wolkenmeer zu Füßen. Fast wie ein Blick aus einem Flugzeug! Und auch die alpinen Gefahren hatten zugenommen: Manche Passagen waren aufgrund von Schnee und zugefrorenen Böden extrem rutschig. Zusätzlich kamen noch Kletterpassagen im exponierten Gelände hinzu. Nichtsdestotrotz war dies alles ein alpiner Hochgenuss, auch dank unseres Bergführers “Lobo”, welcher uns tiefenentspannt durch diese alpine Welt begleitete.


Gipfelglück auf dem Iliniza Norte!
Nach zahlreichen Kletterpassagen erreichten wir dann endlich um 14:14 Uhr den Gipfel des Iliniza Norte auf 5126 m. Es war geschafft. Was für ein tiefes Gefühl voller Glück und Erleichterung! So hoch war ich noch nie in meinem Leben! Darüber hinaus ging es mir körperlich hervorragend, keinerlei Symptome von Höhenkrankheit. Mein Bergführer hatte auf dem Gipfel mir auch noch die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen. Sie lag bei mir noch über 95 %, also alles tip top.


Da ein Gewitter sich angebahnt hatte, mussten wir leider vom Gipfel sehr schnell wieder aufbrechen. Regen und Blitze auf einem Gipfelgrat auf über 5000 m sind schließlich mehr als unangenehm. Zum Glück konnten wir beim Rückweg über ein feines Aschefeld sehr schnell Höhenmeter verlieren und erreichten nach ein paar Stunden den Parkplatz wieder. Nichtsdestotrotz ein großartiger Wandertag!

Bergsteigerische Grüße
Christian
Hattet ihr in einem Bergabenteuer auch schon einmal Kletterpassagen über 5000 Meter? Was waren da Eure Eindrücke? Und wie war es für Euch mit der Höhe? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!