Abends um 19 Uhr bei meinem Bergfreund auf der Alm, irgendwo im verschneiten Allgäu bei einer heißen Tasse Ingwer-Tee: Dort werden bekanntlich die besten Ideen geboren. Eine Bergtour musste her! Leider herrschte eine ziemlich ätzende Schlechtwetterphase, jedoch soll es morgen einen Wetterwechsel geben. Wir waren skeptisch. Ein Blick in den Himmel am nächsten Tag versprach trübes Wetter, aber es war zumindest trocken. Der Lawinenwarndienst gab uns auch grünes Licht. Also los, ab in die Berge zum Sonnenkopf!
Der Weg zu den Wolken
Der Weg auf den Sonnenkopf verspricht eine knapp 10 km lange Genusstour im Winterglanz. Morgens um 8:00 Uhr ging es vom Parkplatz der Sonnenklause bei Hinang über einen recht steilen Weg nach oben. Wir durchstreiften die Wälder an diesem trüben Tag, die Stille war fabelhaft. Irgendwann durchstiegen wir dann doch noch die Wolkendecke und hatten den Ifen und den “Wächter des Allgäus”, den Grünten im Rücken. Was für ein gigantisches Wolkenmeer wurde uns geboten: Das gesamte Tal lag unter einer sehr dichten Wolkendecke, damit hat niemand gerechnet. Nun ging es weiter bei strahlend blauem Himmel, was für eine Wendung.



Aller guten Dinge sind drei: Sonnenkopf, Heidelbeerkopf, Schnippenkopf
Wenige Augenblicke später erreichten wir auch schon den 1712 m hohen Sonnenkopf. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns, den Panoramaweg noch weiterzugehen und damit eine Rundtour durchzuführen. Dabei nahmen wir ebenfalls den Heidelbeerkopf (1767 m) und Schnippenkopf (1833 m) noch mit. Schließlich lässt man sich nicht drei Gipfel einfach so entgehen. Der Weg war sehr gut begehbar, der Schnee ziemlich ausgetreten. Wir wunderten uns tatsächlich über manche Wanderer, welche auf Skier und Schneeschuhen unterwegs waren. Dies war für uns etwas eigenartig. Daher ließen wir im Gegensatz dazu definitiv unser Equipment im bzw. am Rucksack. Nur im Aufstieg auf den Schnippenkopf direkt vor dem Gipfel war etwas Vorsicht geboten, dort hätten Grödeln möglicherweise Abhilfe schaffen können.


Der Neid der Talbewohner
Auf den Schnippenkopf angekommen, genossen wir das Panorama bei einer angemessenen Fernsicht und einer hervorragenden bayrischen Brotzeit. Und die Talbewohner aus Kempten oder Nesselwang taten mir etwas leid, da sie den ganzen Tag in dieser Nebelsuppe verbringen mussten. Sie wären sicherlich sehr neidisch gewesen, hätten sie von diesem Ausblick gewusst (hehe). Schließlich waren neben den Allgäuer Klassikern wie Widderstein, Mädelegabel oder Trettachspitze auch die Schweizer Bergwelt deutlich zu erkennen, zumindest für alle oberhalb von 1500 Höhenmetern. Großartig!


Nach dem Abstieg über die Vordere Entschenalpe durch einen bequemen Waldweg erreichten wir am Nachmittag den Parkplatz an der Sonnenklause. Was für ein Tag voller Sonne, guter Bilder und positiver Energie. Damit ist der Sonnenkopf eine gelungene Alternative zu den sonst üblichen Modebergen.
Viele Grüße aus dem Allgäu
Christian
Was sind Eure Genusstouren zum Sonnetanken abseits der bekannten Modeberge? Ich bin sehr interessiert, schreibt es mir doch in die Kommentare!
Sehr gut geschrieben!
Eine motivierende Berichterstattung mit literarischem Tiefgang.
Was für den einen eine privilegierte Erinnerung ist, hat für den passiv Beteiligten den Charakter einer Inspirationsspritze.
Vielen Dank Hans Hartmann! Die Inspirationsspritze ist hier der Fokus, vollkommen korrekt gedeutet. Und ja, ein Privileg war diese Aktion definitiv auch! 😉